Jeder isst anders

Wie Diätetik und Küche Hand in Hand arbeiten

Diaetetik_Kueche
Randolf Merkel wurde damals durch die Spendenaktionen auf Tannheim aufmerksam. Seit den ersten Tagen der Klinik ist er Küchenleiter. Phylis Hausch dagegen ist erst seit dem 01. Juli in Tannheim. Gemeinsam mit dem Küchenteam und den Diätassistentinnen sorgen sie für das leibliche Wohl der Patienten.
„Es ist eine anspruchsvolle Tätigkeit, der ich gerne jeden Tag nachgehe. Die Vorurteile gegenüber Großküchen habe ich in dem Moment abgelegt, als ich zum ersten Mal die Küche einer Reha-Einrichtung betreten habe,“ erzählt Küchenleiter Randolf Merkel.
Die richtige Ernährung spielt vor allem bei einer schweren Krankheit eine sehr große Rolle. Für die Zubereitung der Speisen wird darum möglichst auf frische, regionale und saisonale Produkte geachtet.
Die angebotenen Gerichte werden jeden Tag frisch zubereitet. Die in der Diätküche zubereitete Kost orientiert sich geschmacklich und optisch immer an der Vollkost, damit gerade bei Kindern mit Sonderdiäten eine bessere Akzeptanz erreicht wird.
Manchmal ist es auch sinnvoll, die Kinder nach dem Lieblingsessen zu fragen um einen besseren Einstieg in die Diätetik zu erreichen. Frau Hausch berichtet: „Jede Ernährungsberatung ist individuell und wichtig, um auf die Bedürfnisse des Patienten einzugehen. Ebenso spiele der Appetit und die Essgewohnheiten eine Rolle.“
Ihr Ziel ist es, die Patienten langfristig zu unterstützen. Ihre Ernährungsempfehlungen sollen auch im Alltag umsetzbar sein; darum berücksichtigt sie neben den medizinischen Vorgaben und Allergien auch Vorlieben und familiäre Umstände: Oftmals müssen die Kinder aufgrund ihrer Erkrankungen zu-, die Eltern dagegen eher abnehmen. Dabei muss sie auch mit Ernährungsmythen aufräumen. Das gelingt ihr, indem sie Hintergründe erklärt, beispielsweise warum Kohlenhydrate auch nach 18 Uhr nicht dick machen müssen und essenziell für eine gesunde Ernährung sind.
Die Mahlzeiten kochen die Diätassistentinnen in der Regel selbst, vormittags in der Diätküche, die in die Hauptküche integriert ist.

Ziel ist eine langfristige Unterstützung der Patienten

Gemeinsam versuchen Diätassistenten und Küchenpersonal es so vielen recht zu machen, wie irgend möglich: „Es gibt bei uns keine Einheitssuppen oder -saucen, die dazu dienen, möglichst alle Diäten und Allergien abzudecken“ konstatiert der 57-Jährige, „darum investieren wir viel Mühe in die Zubereitung jeder Mahlzeit.

Besondere Umsicht lässt Phylis Hausch bei frisch transplantierten Patienten walten: Sie bekommen keimfreies Essen, ohne Nüsse, Schinken, Schimmelkäse und Rohwurst. Obst und Gemüse sollten im rohen Zustand geschält oder gegart sein Um Kreuzkontaminationen und Keimvermehrungen zu verhindern, muss der Hygienestandard noch höher sein als ohnehin. Dies wird über zusätzliche Maßnahmen gewährleistet, wie etwa dem portionsweisen Abpacken oder einer speziellen Zubereitung der Lebensmittel.

Diätetik und Küche arbeiten in Tannheim eng zusammen

Um die vielen Vorgaben und Präferenzen zu erfüllen, arbeiten Küche und Diätetik eng zusammen. Der Genuss soll dabei nicht in den Hintergrund rücken. Die Esskultur zu pflegen, ist dem Ernährungs- und Küchenteam wichtig. Auch die 25 Jahre alte Phylis Hausch glaubt: „Was wir an Nahrung aufnehmen, beeinflusst unser Empfinden. Umso wichtiger ist es bei Erkrankten im Rahmen ihrer Möglichkeiten auf eine ausgewogene Ernährung zu achten.“ Beide verbinden Essen also auch mit Hoffnung, das als Urheber für Glücksgefühle und das Wohlbefinden der Patienten stehen kann. Ihre Mühe und Umsicht lohnt sich – das wird jedes Mal ersichtlich, wenn die Patienten das Essen in Tannheim loben; und das tun sie. Oft.

Weitere Artikel

Kaftrio

Ein neues Medikament schafft Perspektiven

Kaftrio ist ein Quantensprung in der Behandlung von Mukoviszidose und verbessert die Lebensqualität vieler Patienten immens. Doch es schafft auch neue Herausforderungen, denen sich Therapeuten und Patienten stellen müssen.
Weiterlesen
Kardiologie_Eberle

Herzensangelegenheiten

Als das Angebot kam, musste Tilman Eberle nicht lange überlegen – seit dem 01. Oktober ist der 58-Jährige als ärztlicher Direktor und Chefarzt für pädiatrische Kardiologie für die Gesundheit vieler kleiner Patienten verantwortlich. Eine Herzensangelegenheit, im wahren Sinne des Wortes.
Weiterlesen

Bezugstherapie in Tannheim

Die Seele braucht Zeit. Sie wehrt sich noch mit aller Kraft gegen den Schmerz der Diagnose, wenn der Kopf längst verstanden hat. In der Folge geht es oft darum, zu funktionieren; Emotionen werden ausgeblendet. Die Bezugstherapeuten Tannheims helfen bei der Aufarbeitung
Weiterlesen
Familie_Wedemeyer

Ein Kämpferherz wird vier Jahre alt

David hat sich zurück ins Leben gekämpft: Er sollte seinen ersten Geburtstag nicht erleben – nun ist er schon fast vier Jahre alt. Es ist die Geschichte eines medizinischen Wunders.
Weiterlesen

Das Ziel der Onkologie bei Kindern

Die Diagnose einer Krebserkrankung ist zunächst für jeden Menschen eine Katastrophe. Besonders bei Kindern ist die gesamte Familie mitbetroffen. Nach der Intensivbehandlung in der onkologischen Akutklinik können die körperlichen und seelischen Folgen von bösartiger Erkrankung und deren eingreifender Therapie durch die Rehabilitation abgemildert werden: Der Wiedereinstieg in den Alltag gelingt für alle betroffenen Familienmitglieder mit frischer Kraft und neuem Mut.
Weiterlesen

Jeder isst anders

Wie Diätetik und Küche Hand in Hand arbeiten Randolf Merkel wurde damals durch die Spendenaktionen auf Tannheim aufmerksam. Seit den ersten Tagen der Klinik ist er Küchenleiter. Phylis Hausch dagegen ist erst seit dem 01. Juli in Tannheim. Gemeinsam mit dem Küchenteam und den Diätassistentinnen sorgen sie für das leibliche Wohl der Patienten. „Es ist…
Weiterlesen

Sport macht Hoffnung

Die medizinische Trainingstherapie ist ein wichtiger Bestandteil der Reha in Tannheim. Hier vermitteln Jan Holzmann, Günter Hermann und Isabel Jäckle ihren Patienten Freude an Bewegung – frei von jeglichem Leistungsdruck, den viele Kinder und Jugendliche sonst vor allem aus dem Schulsport kennen.
Weiterlesen

Ein Blick in Tannheims Historie

1984 hat Roland Wehrle eine Idee: Gemeinsam mit dem Tübinger Professor Dietrich Niethammer entwickelte er in der Katharinenhöhe ein Konzept für die familienorientierte Behandlung von krebskranken Kindern und Jugendlichen.
Weiterlesen

Dankbarkeit einer Tumorpatientin für die Nachsorgeklinik

Rund 400 Kilometer liegen zwischen Julia Zählers Zuhause und Tannheim. 2016 kam sie nach einer Hirntumor-Operation und anschließender Chemo- und Bestrahlungstherapie zum ersten Mal zur Reha, 16 Jahre alt und allein. Inzwischen kann sie sich sogar vorstellen, später selbst in der Klinik zu arbeiten.
Weiterlesen

Vom Mut, mit Mukoviszidose eine Familie zu gründen

Mit Ende 20 erkannte Jakob, dass es so nicht weitergehen konnte. In Tannheim stellte er sich seinen Ängsten und entschied sich für sein größtes Abenteuer: Es heißt Mathilda und ist vier Jahre alt.
Weiterlesen